Der Bürgergarten 1830 – 1970 – 2020

 

So fing es an
Das 34 ha große Waldgebiet zwischen Kanalwiesen und Röddeliner Straße hatte es bereits 1810 der neu gegründeten Templiner Schützengesellschaft als Treffpunkt angetan.
Für diese wurde von den Stadtverordneten der Bau eines Schützenhauses im heutigen Bürgergarten genehmigt. Am 27. April 1830 erfolgte die Grundsteinlegung für das Schützenhaus. Den umliegenden Kiefernwald gestaltete die Schützengilde als Bürgerpark. Davon zeugen noch heute die erkennbaren Rondelle und die Doppelreihe alter Linden westlich der Freilichtbühne.

 

Das „Schützenhaus“

Am 03. April 1830 wurde der Schützengilde der Bauplatz für das zu errichtende Schützenhaus zugewiesen. Bereits ein Jahr später, am 01.04.1831 konnte das Schützenhaus mit einem großen Saal für Feierlichkeiten eröffnet und für die Einwohner Templins freigegeben werden.

 

Schützenhaus 1835

 

Im Gebäude befanden sich auch eine Wohnung und im Keller eine Kegelbahn. Der daneben liegende offene Schützenplatz war durch eine Schießmauer begrenzt. Zur Verschönerung des Geländes wurden Linden-Alleen angerlegt. Zum Schutz der Linden vor Ochsen wurde 1832 das Schützenhausgelände anstelle eines Zaunes durch acht Hügel abgegrenzt.

 

Zum 80-jährigen Bestehens des „Sängerbundes“ am 13.07.1912 wurde auf Antrag eine Musikhalle für 150 Sänger auf Kosten der Stadt als Schützenhausanbau errichtet.

 

Das Schützenhaus wurde nach Kriegsende als Kindergarten genutzt. Dieser erhielt später den Namen „Frohe Zukunft“.

 

Templiner Schützenhaus um 1912

 

„Hypar-Schale“ – wo einst das Schützenhaus stand

 

Am 22.03.1953 wurde im Programm des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) der Bau einer Freilichtbühne, eines Kulturzentrums sowie die Schaffung von Spielplätzen beschlossen. Die Bauarbeiten für die Freilichtbühne begannen am 06.02.1962 und wurden zum DDR-Jahrestag am 07. Oktober desselben Jahres abgeschlossen.

 

Schützenhaus und Hypar-Schale 1967

 

1967 begannen neben dem Schützenhaus die Vorarbeiten für eine neue Gaststätte – die „Hypar-Schale“. Das Schützenhaus selbst wurde 1968 aus Kostengründen abgerissen. Am selben Standort fand am 13.02.1970 durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) die Grundsteinlegung für einen Gaststättenkomplex und den Bau eines Kultur- und Erholungszentrums statt. Gleichzeitig wurde der inzwischen verwilderte Bürgergarten neugestaltet. Dazu hatte der damalige Bürgermeister Kurt Karsten den für den Park „Bad Muskau“ verantwortlichen Herrn Stracke gewonnen, der die Umgestaltungsarbeiten erstellte. Verantwortlich für die Durchführung war der Templiner F.-W. Giesel. Im Zuge der Neugestaltung des Bürgergartens ab 1970 zu einem Landschaftspark wurde u. a. ein Springbrunnen angelegt. 1975 wurden dort 150 Goldfische eingesetzt, weshalb er in der Bevölkerung eher als „Goldfischbrunnen“ bekannt ist.

 

1972 eröffnete die Gaststätte „Hypar-Schale“ im Bürgergarten. Ein Jahr später kamen das Restaurant und die Tanzbar dazu. Ab 1977 nutzte der FDGB die Hypar-Schale auch als Gaststätte für sein neu erbautes Ferienheim „Salvador Allende“.

 

1978 Hypar-Schale mit Gaststättenkomplex und Springbrunnen

 

Die Hypar-Schale wurde von dem Architekten Ulrich Müther konstruiert und nach Plänen des Templiners Horst Mallek durch den VEB(K)Bau errichtet. Markant ist ihre doppelt gewölbte und selbsttragende Spannbeton­decke, die aus einer hyperbolischen Paraboloid-Schale besteht und eine quadratische Fläche von 20,5 × 20,5 Metern überspannt. Die ursprünglich vollständig umlaufende Fensterfront misst an ihrer höchsten Stelle 8,38 Meter.

 

1973 wurde neben dem Kultur- und Erholungszentrum der neue Springbrunnen mit einem Keramikrelief des Diplom-Keramikers Fröde übergeben.

 

Seit Mai 1996 stand der Gebäudekomplex leer und verfiel zunehmend, bis Ende 2015 erste Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen dank vielfältiger Fördermittel durchgeführt werden konnten. 2004 wurde das Schalenbauwerk als Nationales Baudenkmal eingestuft.

 

Vom Bettenhaus zur Fitnessterrasse

 

Nach der Grundsteinlegung für das „Bettenhaus“ des FDGB-Ferienheimes „Salvador Allende“ am 05. April 1974 brauchte es nur drei Jahre Bauzeit bis zur Aufnahme des Hotelbetriebs am 16. Mai 1977.

 

Ab 1975 kamen zehn Bungalows mit 160 Betten als Urlaubersiedlung hinzu. Die Häuser wurden nach der innerdeutschen Wiedervereinigung durch die WOBA UM Templin umgebaut, in deren Eigentum sie übergeben wurden.

 

1991 beschlossen die Stadtverordneten die Übernahme der FDGB-Häuser am Lübbesee und im Bürgergarten von der Treuhand. Obwohl die touristische Nachfrage groß war und verschiedene Investoren antraten, konnten die Ideen zur Folgenutzung als Schulungsheim, Stadthotel, Mehrgenerationenwohnquartier, Spielbank, Jugendherberge oder Therapiezentrum für Suchtkranke nicht verwirklicht werden. Für einige Monate wurde in der Gaststätte das Restaurant „Bandito“ betrieben. Die Hypar-Schale wurde vorübergehend für einige Jahre als Diskothek vermietet und fand großen Zuspruch in der Bevölkerung.

 

Im Kurstadtkonzept von 2012 wurde vorgesehen, den vorderen Teil des Bürgergartens ab Schleusenbrücke bis zur Straße am Bürgergarten mit dem weiter zu sanierenden Denkmal Hypar-Schale in dessen Zentrum als Park zu entwickeln. Nach heftigen Diskussionen verständigten sich die Stadtverordneten auf den Abriss des entkernten Bettenhauses.  Auch der Versuch einer Bürgerinitiative, den Abriss per Bürgerentscheid doch noch zu verhindern, scheiterte. Im Rahmen der Abrissabarbeiten des Bettenhauses ab 2014 mussten mehr als 7000 Kubikmeter Bauwerk zerlegt werden. Der Baugrund wurde entsiegelt und zu einem Parkrasen umgewandelt. Der einstige Heizungskeller des Ferienheimes dient seit Sommer 2019 als Schlaf- und Nistplatz für Fledermäuse, die mit Beginn der Bauarbeiten an der Hypar-Schale umzuquartieren waren.

 

Ehemaliges Bettenhaus

Freizeitterrassen

 

Zurück zu „altem Glanz“

 

2017 begannen im Bürgergarten die Vorarbeiten zur Umgestaltung zu einem Familien- und Erlebnispark. Mithilfe eines gemeinsamen EU-Förderprojektes beabsichtigten die langjährigen Partnerstädte Templin und Polczyn Zdrój ihre städtischen Parkanlagen neu zu gestalten und damit die Tourismusentwicklung voranzutreiben. Nach einem landschaftsplanerischen Wettbewerb wurden die Ideen von Frank Buck umgesetzt. Bevor die Umbaumaßnahmen mit dem 1. Spatenstich am 10.07.2019 begannen, wurden zuvor längst überfällige Pflegeschnitte an Bäumen und Hecken zur Wiederherstellung von historischen Sichtachsen zur Altstadt und zum Park vorgenommen sowie Sturmschäden beseitigt. Die wesentlichen Baumaßnahmen wurden pünktlich zum Jubiläumsjahr der 750-jährigen Ersterwähnung Templins 2020 abgeschlossen.  Gäste und Einwohner der Stadt konnten sich am 29. Mai selbst von den Änderungen überzeugen: Besondere Attraktionen sind die Spiel- und Fitnessterrassen vor der Altstadtkulisse, der Springbrunnen mit den Fontänen und der als „Waldtor“ gestaltete Kinderspielplatz. Mit zwei Aussichtsplattformen auf den Templiner Kanal und einer Kanueinlassstelle öffnet sich der Bürgergarten auch zum Wasser. Entlang des Hauptweges wurden Schautafeln für einen „Evolutionsweg“ angebracht, auf dem über wichtige Etappen in 4 100 Millionen Jahren Geschichte der Entwicklung des Lebens auf der Erde informiert wird. Die Schautafeln wurden vom Verein Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland gesponsert. Verbunden sind die einzelnen Standorte durch einen neu angelegten nördlichen Parkzugang, der Teil des neuen Rundwanderweges und auf 1,5 km Länge nun beleuchtet ist.

 

Der am Nordeingang des Parks angelegte Teich wurde saniert, mit Pflanzkübeln (einst Geländer) gesichert und um eine Springbrunnenanlage und neues Sitzmobiliar einschließlich Hängematten und Unterstand aufgewertet. Anders als einst ist der Besatz mit Goldfischen nicht vorgesehen, weil der Zuflussbereich für künftige umweltpädagogische Maßnahmen der Naturparkverwaltung mit heimischer Flora und Fauna genutzt wird. In der Zeit ab täglich 7 bis 22 Uhr bzw. 23.00 Uhr an Wochenenden sind die Mittelfontäne mit einer Maximalhöhe von ca. sechs Metern und die acht kreisförmig darum angeordneten Wasserstrahler in Betrieb, abends wird sie von drei LED-Leuchten illuminiert. Die wesentlichen Baumaßnahmen wurden bis 2020 – dem Jahr der 750-jährigen Ersterwähnung Templins – fertiggestellt.

 

Etwas länger dauerte die Sanierung der Hypar-Schale. Sie wurde einer umfassenden Hüllensanierung unterzogen und die Fassade erhielt eine Sonnenschutz- und Verbundsicherheitsverglasung sowie eine motorbetriebene Entrauchung. So wird aufgrund der unverbauten gläsernen Fassade das scheinbar schwebende Dach aus einer nur acht Zentimeter dicken Betonschale, die nur auf zwei Punkten ruht, wieder sichtbar.

 

Hypar-Schale – einst Ruine, heute wieder in der Reaktivierung

 

Steigende Kinderzahlen machen es erforderlich, zusätzliche Kinderbetreuungsplätze anzubieten. Die Templiner Stadtverordneten entschieden, sich für einen Kitaneubau im Bürgergarten am Standort des einstigen Gaststättenkomplexes. Neben der Kita erhält auch die Naturparkverwaltung Uckermärkische Seen dort ein neues Domizil und nach alter Tradition gibt es wieder einen Gastronomiebetrieb. Die Naturparkverwaltung plant vielfältige Bildungsangebote in der Region und auch vor Ort im Bürgergarten. Der Teich, drei untere Terrassen zum Kanalufer und die Freilichtbühne bieten viel Platz für ein „Klassenzimmer im Grünen“.

 

Die Wiedereröffnung der Hypar-Schale in neuer Funktion ist ab 2023 geplant.

 

Denkwürdige Orte im Bürgergarten

 

Vom 15. November 1831 bis 01. April 1869 war August Papenbrock Bürgermeister der Stadt. Die Widmung des „Papenbrock-Platzes“ im Park würdigt sein städtisches Engagement.

 

Am 18.09.1889 errichtete die Stadt eine Büste von Kaiser Wilhelm I. auf einer steinernen Säule inmitten des Bürgergartens. 10 Jahre später kamen ein „Bismarck-Denkmal“ und die Pflanzung einer „Bismarck-Eiche“ und 1890 ein „Moltke-Stein“ mit Linde dazu.

 

Der 90. Todestag des Rektors der Templiner Stadtschule, Adolf Wilhelm Parisius, wurde am 17. Juni 1932 mit einer Gedenkfeier gewürdigt. Aus diesem Anlass wurde kurz darauf ein Gedenkstein im Bürgergarten enthüllt und der „Parisius-Platz“ eingeweiht. Parisius war der Gründer des „Sängervereins 1832“, dessen 100. Gründungstag 1932 gefeiert wurde. Erlöse von Auftritten des Sängervereins wurden oftmals den Armen gespendet.

 

Beide Gedenksteine sowie der „200 Jahre Bürgergarten“-Findling am Teich „erstrahlen“ seit dem Jubiläumsjahr 2020 in neuem Glanz. Am 02. Oktober desselben Jahres wurde am Südhang ein weiterer Gedenkstein eingeweiht, denn 750 Jahre zuvor wurde Templin erstmals urkundlich erwähnt.

 

Seit 1961 steht das „Karl-Marx-Denkmal“ am Rande des „Bürgergartens“.

 

Ehemaliges Lenin-Denkmal

Kinderspielplatz „Waldtor“

 

Zu seinem 100. Geburtstag wurde am 22. April 1970 das „Lenindenkmal“ im Bürgergarten eingeweiht. Die baufällige Betonstele wurde im März 2014 abgerissen. Der Spielplatz „Waldtor“ befindet sich seit 2000 am Standort des einstigen Denkmals.

 

Die langjährige Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland – Dr. Angela Merkel – nahm am 10.09.2021 an der feierlichen Grundsteinlegung für die neue Kindertagesstätte teil und pflanzte anlässlich des 750-jährigen Jubiläums eine Linde.

 

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